Giclée - Frique

Die Magie von Tinte auf Papier

Tipps, Hinweise und Anregungen

Tolles Bild vs. schlechter Druck?

Jeder hat es schon einmal erlebt: Da hat man mühevoll in vielen Stunden sein Bild bearbeitet und schickt es an den Druckdienst seines Vertrauens, online oder zum heimischen Entwickler. Ein paar Tage später erhält man das ersehnte Bild endlich - und man ist auf den ersten Blick entäuscht. Die ehemals leuchtenden Farben sind dunklen, vergrauten Mischungen gewichen, die Brillanz des Bildes auf dem teuren Monitor nicht einmal ansatzweise mit dem versumpften Grau in Grau des Druckes vergleichbar! Was ist passiert?

In den allermeisten Fällen ist erstmal der Druckdienst schuld! Schließlich haben Sie ja das Bild auf dem Monitor aufgearbeitet und das letzte Quentchen Farbe, Brillianz und Schärfe heraus gekitzelt.

Falsch!

Sicherlich kann der Druckdienst auch mal Fehler machen, aber in diesen Fällen liegt zu 99,9% der Fehler einfach in einer falschen Monitoreinstellung (oder falschem Farbraum, s.u). Fast alle Monitore sind werkseitig zu hell eingstellt. Der Kunde hat ein an sich gutes Produkt gekauft und vertraut natürlich der Werkseinstellung. Die Folge ist, das Bilder auf einem viel zu hellen Monitor bearbeitet werden und runtergeregelt werden. Das sieht dann zwar auf dem Monitor gut aus, die Bilddatei aber ist zu dunkel. Diese Datei wird guten Mutes zum Druckdienst geschickt, wo es wie geschickt gedruckt wird. Schließlich ist es ein Druckdienst und kein Foto-Überarbeitungsdienst.

Mit ein wenig Arbeit läßt sich dieses Problem aus der Welt schaffen:

Monitorkalibrierung

Ein Muss für den ambitionierten (Hobby-) Fotografen! Ohne Kalibrierung bearbeitete Bilder zum Druckauftrag senden ist wie ein Landeversuch im Blindflug. Kann gut gehen, aber...

Neben neuen und leider auch teuren Monitoren, die bereits eine Kalibrierungsroutine beinhalten, gibt es eine ganze Reihe von Paketen, Soft- und Hardware, die helfen sollen, einem Monitor die richtige Einstellung zu verpassen. Aber es muss nicht immer gleich ein aufwendiges Kalibirierungsset sein. Man kann schon viel mit kostenlosen Mittel erreichen. Und besser als ohne jede Kalibrierung ist es allemal.

DQ-Tool

Der Photoindustrie-Verband ist der leistungsstarke, branchenübergreifende Verband von Herstellern und Dienstleistern im Bereich Foto und Imaging. Auf seiner Internetseite findet man ein kostenloses Produkt, das DQ-Tool - Digital Quality Tool - zum kostenlosen Download. Es ersetzt keinesfalls die professionelle Monitorkalibrierung ist aber schon einmal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Neben den Testbildern zur Einstellung von Kontrast und Helligkeit sind noch Printreferenzbilder enthalten, die bei weiteren Einstellungen helfen.

Den Link zum Download finden Sie hier:


x-rite ColorMunki // datacolor spyder5

Für präzise Einstellungen müssen Sie aber ein zusätzliches Hilfsmittel, ein Spektralfotometer, heranziehen. Moderne Geräte sind erschwinglich, einfach in der Bedienung und liefern exakte Ergebnisse. Die ColorMunki-Serie von x-rite ist nur ein Beispiel von vielen. So bietet die Fa. datacolor mit ihrem Spyder5 ebenfalls eine bezahlbare Lösung an. Die Anschaffung lohnt sich allemal für jeden, der Wert auf korrekte Farbwiedergabe legt.

Der Farbraum: sRGB vs. AdobeRGB

Um es kurz zu machen: Für Fotografen ist AdobeRGB der richtige Farbraum. Punkt. Aber...

Farbräume

AdobeRGB hat gegenüber sRGB den Vorteil des größeren Farbraums, besonders in den Grünentönen. Dazu umfasst AdobeRGB (fast) den gesamten CMYK Farbraum, der die Druckfarben definiert. Aber ... Was nutzt z.B. eine teure Kamera, die in AdobeRGB aufnehmen kann, wenn die anschließende Bildbearbeitung auf einem Monitor erfolgt, der zwar kalibriert ist, aber nur sRGB darstellen kann? Nichts! Im Gegenteil: Farbfehler sind vorprogrammiert. Wenn Sie dieser Fehlerquelle aus dem Weg gehen wollen, achten Sie bei Ihrem Workflow (Kamera, Scanner -> Bildbearbeitung, Monitor -> Datenspeicherung) auf einen durchgehend gleichen Farbraum. Wenn Sie den vollen Farbumfang nutzen wollen, muss das gesamte Equipment daran angepasst sein. Kann Ihr Monitor nur sRGB darstellen, nutzen sie diese Einstellung auch an Ihrer Kamera und betten diesen Farbraum bei der Speicherung in die Bilddateien ein, wenn Sie sie zur Druckbestellung überspielen. Dann kann der Druckdienst die richtige Umwandlung zum Druckfarbraum CYMK vornehmen.

Neuere Monitore, speziell die zur Fotobearbeitung, sind mittlerweile erschwinglich geworden und beherrschen den AdobeRGB Farbraum. Dann sollten Sie Ihren Workflow komplett auf diesem Farbraum einstellen. Kamera -> Monitor -> Bildbearbeitung in AdobeRGB eingebettet in die Bilddatei zur Überspielung an den Druckdienst, verhilft zu einem brillianten Druck im vollen Farbumfang ohne Farbfehler.

Die gängigen Bilddateiformate

Das allseitsbeliebte(?) .jpg-Format

Je nach Kameratyp begegnen uns bereits beim Fotografieren verschiedene Dateiformate. Das gängigste ist das JPEG- oder auch JPG-Format. Der Name leitet sich von der Joint Photographic Experts Group ab. Je nach Kameraeinstellung werden in diesem Format Bilddateien mehr oder weniger komprimiert gespeichert. Der Vorteil einer komprimierten Bilddatei liegt klar auf der Hand: Wir bekommen wesentlich mehr Bilder auf die Speicherkarte als mit unkomprimierten Dateiformaten. Allerdings hat dieses Dateiformat auch einen entscheidenden Nachteil: Je höher die Komprimierung, umso größer ist der Qualitätsverlust. Dazu kommt, daß viele einfache Bearbeitungsmöglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung verloren gehen

Einzig, wenn das Bild komplett bearbeitet ist und seiner endgültigen Bestimmung zugeführt wird, sei es die Speicherung im Web oder die Überspielung zum Druck, ist ein .jpg akzeptabel.

Groß und Gewaltig

Der zweite Dateityp fast aller Digitalkameras ist das TIFF (Tagged Image File Format). Dieses Dateiformat ist mittlerweile Standard geworden und wird von nahezu jedem Bildbearbeitungsprogramm gelesen. Da es unkomprimiert ist, braucht es je nach eingestellter Auflösung deutlich mehr Platz auf der Speicherkarte als das JPG. Zu Zeiten von immer größeren Speicherkapazitäten auf immer kleiner werdenden Medien sollte der Aspekt Speicherplatzmangel Geschichte sein.

Unverfälschter Alleskönner

Ein Sonderfall, den jedoch nicht alle Kameras zur Verfügung stellen, ist das RAW-Format. Und selbst, wenn die Kamera es kann, so ist für dessen Verarbeitung eine weitere Software, der RAW-Konverter, und besondere Kenntnisse erforderlich. Für die eigentliche Bildbearbeitung ist RAW nicht geeignet. Dennoch sollte das Fotografieren im RAW-Modus ein Muss sein. Zum einen hat die RAW-Datei trotz Verzicht auf Datenkomprimierung nur knapp 1/3 der Größe eines Tiff-Bildes gleicher Auflösung und gleichen Formats, zum anderen bietet die RAW-Datei einen großen Spielraum, um bei der Konvertierung Einfluss auf Belichtung, Kontrastumfang, Farbbalance und einiges mehr zu nehmen.

Bildgrößen und Pixelanzahl

Nicht jede Bilddatei ist für einen großformatigen Druck geeignet. Wenn eine "kleine" Bilddatei mit wenigen Pixel auf DIN A2 oder gar DIN A1 "aufgebläht" wird, erscheinen die einzelnen Bildpunkte so groß wie bei einem Mosaik. Das sieht nicht schön aus. Moderne Digitalkameras werben immer wieder mit Millionen Pixel, doch ist das für ein wirklich gutes und großes Bild ausreichend? Auf der Seite din-formate.de finden Sie eine ausführliche Übersicht bezgl. Auflösung der Digitalkameras und Bildgrößen mit verschiedenen Pixeldichten. Suchen Sie einfach die Megapixelzahl Ihrer Kamera in den Tabellen und links daneben erscheinen die max. zu druckenden Bildgrößen in unterschiedlichen Pixeldichten. Für gute Bilder sollten es schon 150 dpi sein, bei besser heraus gearbeiteten Feinheiten im Bild sollten es min. 200 dpi oder gar 300 dpi sein. Für einen "echten" Gicleedruck sollten es 300 dpi sein.

So schafft eine Kamera mit 24,2 Megapixel bei 120 dpi ein Bildformat von 129x96,5 cm, bei 150 dpi immerhin noch 101,9x68 cm. Bei 200 dpi schrumpft das Format weiter auf 76,4x51 cm, bzw. bei 300 dpi auf 50,9x 34 cm - dafür aber in einer Auflösung, bei der selbst kleine Feinheiten auch bei geringem Betrachtungsabstand noch erkennbar sind!

Menschliche Wahrnehmnung

Wieviel dpi braucht mein Bild nun wirklich?

Allgemeine Antwort: Hm... Das kommt drauf an... Ja, worauf denn nun?

Blickwinkel

Zu allererst kommt es auf den Betrachtungsabstand an. Wenn wir etwas schlecht sehen, gehen wir automatisch näher heran. Das menschliche Auge kann zwei Punkte mit einem Abstand von einer Bogenminute, also dem 60-ten Teil eines Winkel von 1 Grad, unterscheiden. Wie fein oder grob diese zwei Punkte auseinander liegen, bestimmt der Abstand zum zu betrachtenden Objekt.

Formel tan

Mit Hilfe der Winkelfunktionen können wir den Abstand zwischen diesen beiden Punkten bestimmen.

Formel 30cm Abstand

Ein Foto in einem Album liegt etwa 30cm vor unserem Auge. Wir erhalten den Wert 0,0873

Formel 300dpi

Aus diesem Mindestabstand zweier zu unterscheidenen Punkte können wir die benötigte dpi-Zahl ermitteln. Ein Inch beträgt 25,4mm, somit erhalten wir die Anzahl der Dots per inch (Punkte pro zoll). Annähernd 300 dpi...

Formel 50cm Abstand

Die gleiche Berechnung für einen Abstand von 50cm, also ein halber Meter vor dem Bild an der Wand.

Formel 175dpi

Die Berechnung für die benötigten dpi bei einem halben Meter Betrachtungsabstand - Erstaunlich, wie weit die dpi-Zahl runtergeht...


Nach diesen Formeln kann man die benötgten dpi-Zahlen für alle Betrachtungsabstände ermitteln, ob nun 50cm oder 2,50m. Je weiter entfernt der Betrachter steht, desto geringer können wir die dpi-Zahl festlegen - unser Auge kann aus dieser Entfernung eh keine feinen Details unterscheiden.

Warum sollten Giclees min. 300dpi haben, egal bei welcher Größe?

Ein Giclee-Druck wird wie ein "alter Meister", ein Ölgemälde, ein Kunstwerk betrachtet. Der Betrachter kann aus angemessener Entfernung die Gesamtheit des Werkes auf sich wirken lassen, sich in den Bann ziehen lassen, Komposition, Bildaufteilung, Farbwahl, Arrangement und Präsentation bewundern. Bei näherer Betrachtungsweise kann die Maltechnik, der Pinselstrich, die Anordnung der Farben in einzelnen Bereichen erkannt werden. Oftmals erstaunen mich die unorthodoxen Pinselbewegungen, die in der Nahbetrachtung im Einzelnen erkennbar werden, die aber aus einer angemessenen Entfernung betrachtet zu einem Ganzen verschmelzen und die Schönheit des Kunstwerks erwecken. Bei einem Giclee verhält es sich genauso. Die entfernte umfassende Betrachtung ist ebenso erwünscht, wie die nähere, detailsuchende Sichtung.

Aller Theorie zum Trotz: Das soll nur veranschaulichen, was unterschiedliche Pixeldichten bei gedruckten Werken ausmachen. Warum Poster in 120 oder 95 dpi gedruckt werden können, die gleiche Pixeldichte bei kleineren Bildern oder Fotos unmöglich aussieht. Und warum gerade bei Giclees eine hohe Pixeldichte gefordert ist. Letztendlich entscheiden Sie, wie Sie Ihre Bilder gedruckt haben wollen.

Softproof erstellen

Was ist ein Softproof?

Im Gegensatz zum Hardproof, der ein wirklicher Druck zur Kontrolle der Farbwiedergabe ist, wird mit einem Softproof der Druck des Bildes von der Bildverarbeitungssoftware am (kalibrierten) Monitor simuliert. Dafür benötigen Sie ICC-Profile, die die Informationen über Farbraum, Drucker, Tinte und Papier enthalten. Unter Verwendung dieser Informationen errechnet die Software zunächst eine Druckdatei mit allen notwendigen Informationen, wie sie für einen Druck benötigt werden. Diese Datei wird aber nicht an den Drucker geschickt, sondern wiederum in eine Datei zur Darstellung auf dem Monitor gewandelt. Und hier macht sich ein kleines Manko bemerkbar: Nicht jede Druckfarbe des CMYK Farbraums kann auf einem Bildschirm, der nur sRGB beherrscht, dargestellt werden. Moderne Grafik-Monitore decken zu 100% AdobeRGB ab, welches den kompletten Farbraum CYMK für Drucker beinhaltet (bis auf einen winzigen Teil im Rot-Bereich, s.o.) Daher kann es passieren, dass kleine Bereiche farblich, nicht oder mit Platzhalterfarben dargestellt werden. Der kontrollierende Gesamteindruck eines Softproofs wird dadurch aber nicht gestört. Somit können Sie sich mit Hilfe passender ICC-Profile ansehen, wie ein Druck auf den unterschiedlichen Papiersorten wirkt und ersparen sich einen Probedruck. Das heißt, Sie sparen Geld und der Ärger über schlechte Ausdrucke wird vermindert.

Sie finden die ICC-Profile bei uns im Downloadbereich, passend zu den verwendeten Drucker und angebotenen Papiersorten.

Wie erstellt man einen Softproof?

Laden Sie zunächst die zip-Datei der ICC-Profile aus unserem Downloadbereich herunter.

Installation unter Windows: Entpacken Sie die Datei mit Hilfe eines Packprogramm (z.B. 7zip oder WINRAR o.ä.). Zur Installationen klicken Sie mit rechts auf die jeweilige Datei und wählen Profil installieren. Eventuell bereits gestartete Bildbearbeitungsprogramme müssen erneut gestartet werden. Sie können nun mit den Profilen arbeiten.

Installation unter Mac OS: Entpacken sie durch Doppelklicken auf die Datei. Sie wird automatisch in dasselbe Verzeichnis entpackt. Verschieben Sie nun die entpackten Profile in das versionsabhängig unterschiedliche Verzeichniss:

Einen Softproof zu erstellen ist kein Hexenwerk. Am Beispiel von Photoshop CS6 erklärt (bei alternativer Software wird es ähnlich sein):